Unterwegs

Kaffee rösten in Kassel

11. Februar 2017

Einen Kaffee bitte oder auch zwei, drei….

Genau so fängt bei mir jeder Morgen an. Die Augen kaum auf und hoffentlich heilen Fußes den Weg zur Küche gefunden, gibt es erst mal eine frisch aufgebrühte Tasse Kaffee. Erst danach geht für mich der Tag wirklich los. Versuche meinem Körper etwas anderes beizubringen, sind bisher kläglich gescheitert. Kann man ihm aber auch eigentlich nicht übel nehmen.

Abgesehen von seiner Eigenschaft als Starthilfe in den Tag, passt Kaffee aber auch hervorragend zu Kuchen. Da das Thema Kuchen ja durchaus relativ großgeschrieben wird auf meinem Blog, war es ja eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis es das Thema Kaffee mal zu einem eigenen Blogbeitrag schafft. Sagt sie und nippt an der dritten Tasse Kaffee an diesem Tag.

Ich weiß ja nicht, wie das bei euch früher so war, aber bei mir gab es nachmittags gegen 15 Uhr immer „Kaffeetrinken“ und das ist auch heute noch  genau so bei meinen Eltern. Kurz vor 15 Uhr stellt meine Mama die Kaffeemaschine an und während diese anfängt vor sich hin zu gluckern, stellt sie schon mal Teller und Tassen auf den Tisch und holt den selbst gebackenen Kuchen oder die vorher am Bäckerauto gekauften Gebäckstückchen raus. So und nicht anders.

Filter-, Pad- oder Kapselmaschine oder doch lieber als „Handaufguss“.

Und wie trinkt ihr euren Kaffee so? Habt ihr euch darüber überhaupt schon mal Gedanken gemacht?
Bei meinen Eltern zu Hause gab es von je her nur Filterkaffee und ich war sehr irritiert als ich mit Anfang 20 mal Freunde in Kiel besuchte und diese doch tatsächlich diesen seltsamen Pulverkaffee tranken. Pulverkaffee, ist das überhaupt richtiger Kaffee? Sah nicht so aus, roch nicht so und schmeckte sowas von gar nicht nach dem Kaffee von Mutti, da half auch Milch rein nichts. Pulverkaffee fällt für mich also schon mal raus.

Seit ein paar Jahren haben sich nun nach und nach die Pad- und Kapselmaschinen breitgemacht und ich kenne eigentlich fast niemanden mehr, wo nicht die eine oder andere Maschine zum Einsatz kommt. Verständlich, war früher so was wie Latte macchiato oder Cappuccino nur möglich, wenn man in einem Café saß, ist das jetzt alles auch bequem zu Hause möglich. Schöne neue Welt. Die Frage, die sich mir so stellt, ist allerdings: Ist es wirklich das gleiche Erlebnis? Ist Kaffee nicht mehr Genuss, dadurch, dass man ihn in jeglicher Form sofort bekommt, sondern nur „Mittel zum Zweck“?  Schmecken wir überhaupt noch den Unterschied zwischen 0815-Discount-Kaffee und dem richtig guten Stoff aus einer Kaffeerösterei?

Kaffee

Ab nach Kassel zur Kaffeerösterei Seegert.

Wie schön, dass die Antwort auf manche Fragen direkt vor der eigenen Tür liegt. In meinem Fall in Kassel bei Stefan Seegert, dessen Kaffeerösterei in der Kasseler Kneipenmeile, der Friedrich-Ebert-Straße, zu findet ist und der sich den ganzen Tag mit dem Thema Kaffee beschäftigt. Wer kann also besser erklären und zeigen, was so richtig guten Kaffee eigentlich ausmacht. Das Schöne ist, Stefan öffnet nicht nur mir die Welt des Kaffees, sondern Ihr könnt bei ihm auch eine Reise durch die Geschichte des Kaffees machen. Entweder im  Kaffeeseminar mit Theorie und Verkostung oder im Röstseminar in dem Filterkaffee und Espresso geröstet wird.

Auf der wunderschön gemalten Landkarte in der Kaffeerösterei Seegert, könnt ihr den Weg des Kaffees sogar beim Kaffeetrinken verfolgen und erfahrt von Stefan dabei, dass Brasilien der Weltmarktführer in Sachen Kaffee-Export ist.  In 80 Ländern wird Kaffee angebaut und das auf 10 Millionen Hektar Land. Bei den Zahlen wundert es nicht, dass Kaffee mittlerweile zur Massenware geworden ist. Massenwaren heißt aber leider auch Masse statt Klasse und statt Genuss steht Profit an erste Stelle. Das bestätigt auch Stefan, der erzählt, dass die meisten  Bohnen, die man so in Supermarkt bekommt, durch zu Schnelles und Heißes rösten verbrannt sind. Die dadurch nicht verbrannten Schadstoffe schlagen dann vielen Menschen auf den Magen.

Und das alles nur, weil irgendwann im 14. Jahrhundert Mönche beobachtet haben, dass ihre Ziegen völlig außer Rand Band waren, immer wenn sie die roten Früchte eines bestimmten Busches gefressen hatten.

Kaffee

Grüne Kaffeebohnen und der Duft nach verbrannten Toast

Ja, es geht immer noch um Kaffee, aber wusstet ihr, das die Kaffeebohnen beim Rösten irgendwann eher nach verbrannten Toast duften? Ok, ich auch nicht. Als Stefan das erzählte, während er 5 kg  Kaffeebohnen aus Guatemala in den Röstautomat schüttete, dachte ich auch erst das ist bestimmt eher im übertragenen Sinn gemeint. Dem war nicht so. Nach einigen Minuten Röstzeit, schwebte tatsächlich ein leichter Duft von verbrannten Toast durch den Raum, verrückt. Innerhalb der Röstzeit kontrollierte Stefan immer wieder Röstgrad und Aroma  und nach roundabout 20 Minuten, öffnete er dann den Automat und die fertig gerösteten Kaffeebohnen ergossen sich in den Auffangbehälter. Dunkelbraun und genau so, wie man eben Kaffeebohnen kennt.

Kaffee schlürfen für Anfänger

Nach der Theorie kommt die Praxis und deswegen hieß es dann: Kaffee schlürfen.
Habt ihr schon mal versucht bewusst und mit Absicht etwas zu schlürfen? Das klingt jetzt vielleicht lustig, aber das ist gar nicht mal so einfach. Vielleicht braucht man auch Talent dafür? Wenn ja, habe ich kein Schlürftalent, denn ich musste mich sehr konzentrieren den Kaffee nicht durch den Mund ein und die Nase auszuatmen. Ok, klingt nicht nur lustig, war es auch.

Nur durch das Schlürfen kommen die Aromen aber so richtig zur Geltung, also hieß es „Schlürfen üben“. Gott sei Dank erst mit Wasser.  In drei Kaffeetassen bereitet Stefan drei unterschiedliche Kaffeesorten vor und brüht sie mit etwa 60 Grad warmem Wasser auf. Kein Filter, nur Wasser und Kaffeepulver. Nach etwa vier Minuten hat sich auf bis sich auf dem Kaffee eine Kruste gebildet hat, die dann mit einem Löffel vorsichtig abgeschöpft wird. Was übrig bleibt, ist perfekt aufgebrühter Kaffee, den wir dann mit unserer neu erworbenen Schlüftechnik verkosten.  Beim Schlürfen nicht durch die Nase atmen, damit man die Aromen am Gaumen schmecken kann. Gar nicht so einfach, aber tatsächlich schmeckt man zwischen den verschiedenen Kaffeesorten einen deutlichen Unterschied.  So intensiv wie an diesem Abend, habe ich mich noch nie mit Kaffee beschäftigt und das obwohl ich ja jeden Tag Kaffee trinke und das auch sehr gerne, nicht nur zum Wach werden bzw. als Starthilfe in den Tag.  Ein Kaffeeseminiar bei Stefan lohnt sich also und glaub mir, danach trinkt ihr Kaffee anders.

Wer einfach nur so guten Kaffee kaufen möchte ist in der Kaffeerösterei Seegert aber auch so richtig. Ihr könnt vor Ort jede Menge Kaffeespezialitäten trinken und das mit einem tollen Ausblick auf die Friedrich-Ebert-Straße, oder ihr kauft euch Kaffeebohnen, die vor Ort geröstet worden sind, für zu Hause.


Infos auf einen Blick:

Das Kaffeeseminar mit Theorie und Verkostung kostet 35 Euro.
Ein Röstseminar in dem Filterkaffee und Espresso geröstet, kostet 35 Euro.

www.seegert-kaffee.de • Auf Facebook: seegertkaffeekassel

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